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Mann blickt nachdenklich

Coaching-Tipp: Wie entsteht eigentlich Angst – und was macht sie mit uns? (Teil 1 – Umgang mit Gefühlen)

Eine Nachricht bleibt unbeantwortet. Sie gehen das letzte Gespräch noch einmal durch. War Ihre Bemerkung unpassend? Ist die andere Person verärgert? Wenige Minuten später haben Sie unterschiedliche Erklärungen im Kopf – und keine davon ist besonders beruhigend.

Eine Angst zeigt sich uns nicht immer als eindeutiges „Ich habe Angst“. Manchmal zeigt sie sich als Grübeln, oder auch als Anspannung oder als Bedürfnis, noch einmal nachzufragen und sich zu vergewissern. Gerade weil solche Reaktionen oft vernünftig aussehen, erkennen wir nicht sofort, was uns antreibt.

Lassen Sie es mich hier klar sagen: Angst ist zunächst eine sinnvolle und vollkommen gesunde Reaktion. Sie gehört ins unsere „Gefühlspalette“ ganz natürlich mit hinein und hilft uns, mögliche Gefahren zu beachten, zu reagieren beziehungsweise uns gegebenenfalls auf sie vorzubereiten. Dafür muss eine Gefahr noch nicht eingetreten sein. Es reicht, dass unser Gehirn etwas als bedrohlich einschätzt.

Was passiert in Ihnen aber, wenn Angst auftritt? Der Körper wird beispielsweise wacher, die Gedanken kreisen schneller, und unsere Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf mögliche Risiken. Das kann nützlich sein. Wer eine schwierige Situation früh erkennt, kann sich darauf einstellen. Zugleich wird es schwerer, die Lage unbefangen zu betrachten bis hin zum Gebremst werden von unserer Angst, so dass wir nicht mehr klar denken und entscheiden können (und es vielleicht nicht einmal bemerken!).

Was ist real – und was ist eine Befürchtung?

Diese Frage klingt einfacher, als sie ist. Eine Befürchtung ist schließlich nicht automatisch unbegründet. Wenn ein Gespräch angespannt verlief, kann es gute Gründe geben, sich Gedanken darüber zu machen. Nur wissen Sie deshalb noch nicht, was Ihr Gegenüber denkt oder wie es weitergeht.

Hilfreich ist, drei Ebenen zu unterscheiden:

Was ist passiert? Zum Beispiel: „Auf meine Nachricht kam bisher keine Antwort.“

Was denke ich darüber? Etwa: „Die Person ist bestimmt verärgert.“

Was befürchte ich als Folge? Zum Beispiel: „Jetzt ist unsere Zusammenarbeit beschädigt.“

Diese Gedanken und Interpretationen können zusammenhängen. Sie sind aber nicht dasselbe. Wichtig ist jedoch, zu verstehen, dass Ihre Gedanken und die Wahrheit nicht automatisch übereinstimmen! Schon die Unterscheidung schafft etwas Abstand. Sie müssen sich weder einreden, dass alles gut ist, noch die schlimmste Erklärung für wahr halten. Sie ist einfach nur eine mögliche Erklärung.

Denn: Ihre Angst wird auch durch viele Ihrer Erfahrungen geprägt. Wer in ähnlichen Situationen schon einmal verletzt, beschämt oder überfordert wurde, reagiert unter Umständen schneller auf bestimmte Signale. Das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig verdient aber jede neue Situation einen eigenen Blick.

Also fragen Sie sich: Erinnert mich hier irgendetwas (auch) an früher – und was geschieht vollkommen „neu“ (wie eine erste Erfahrung)?

Ganz konkret: Ein erster Umgang mit Angst

Wenn Sie merken, dass Ihre Gedanken immer enger um eine Befürchtung kreisen, können diese Schritte helfen:

Benennen Sie möglichst konkret, wovor Sie Angst haben. „Ich fühle Angst“ ist ein guter Anfang. Es erst einmal einfach zulassen, dass Sie gerade ganz menschlich fühlen.  „Ich befürchte, im Gespräch mit X die Kontrolle zu verlieren“ oder „Ich habe Angst, von Y enttäuscht zu werden“ wäre etwas differenzierter und gibt Ihnen mehr Orientierung.

Prüfen Sie, was Sie wirklich wissen. Welche Beobachtungen sprechen für Ihre Einschätzung? Welche Informationen fehlen Ihnen und stützen Ihre Einschätzung nicht? Es geht nicht darum, Gegenargumente zu sammeln, bis die Angst verschwindet. Es geht darum, Ihre Befürchtung nicht unbemerkt als Tatsache zu behandeln!

Schauen Sie auf die Situation, nicht nur auf das Gefühl. Besteht gerade überhaupt Handlungsbedarf? Können Sie etwas klären, sich vorbereiten oder Unterstützung holen? Oder ist im Moment vor allem die Unsicherheit schwer auszuhalten?

Nehmen Sie auch den Körper ernst. Wenn Sie stark angespannt sind, müssen Sie die Lage nicht genau in diesem Zustand abschließend beurteilen. Ein kurzer Spaziergang, bewusstes Ausatmen oder eine Pause können Ihnen helfen, wieder etwas ruhiger hinzusehen. Sie lösen damit nicht das Problem, schaffen aber bessere Bedingungen, um darüber nachzudenken.

Nicht jede Angst wird durch solche Fragen kleiner. Manche Risiken sind real, und manche Situationen bleiben ungewiss. Ein konstruktiver Umgang beginnt deshalb nicht mit dem Versprechen, keine Angst mehr zu haben. Sie gehört einfach zum Mensch-sein dazu. Er beginnt damit, Ihre Angst zuzulassen, sie wahrzunehmen und genauer zu verstehen, was Ihre Angst Ihnen zeigt – und was Sie selbst daraus machen möchten.  (Teil 2 folgt)

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